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21.05.2018

Handeloh - Wilsede - Bispingen (437 km)

…und sie läuft und läuft und läuft.

Von Mienenbüttel musst ich ja erst mal die Etappe bis Buchholz i.d.H. fertig laufen, das waren rund 10 Kilometer. Die Folgeetappe wäre dann von Buchholz bis Undeloh gewesen. Da das zusammen mal wieder ein Stück über 30 Kilometer geworden wären, habe ich die Etappe bis Handeloh geplant und mich dort im Johmshof eingemietet. Die Strecke von Mienenbüttel bis Handloh ist ohne weitere Vorkommnisse. Mir geht es auch nach der Monsteretappe von gestern gut und auch das Wetter ist gut, sonnig und ein angehmer Wind.

Der Johmshof in Handeloh ist ein grosser Bauernhof (sind aber heute nur noch Katzen und 2 Kaninchen da). Die ehemlige Bäuerin vermietet Gästezimmer. Ich hatte ein grosszügiges Doppelzimmer mit eigener Dusche und Frühstück. Alles für 25 Euro. Die Bäuerin ist auch schon über 70, hat Arthrose in den Knien, eines ist schon operiert, das andere kommt im Januar dran. In diesem Jahr konnte sie es nicht mehr machen, da der graue Star dazwischen funkte. Ich gehe abends in den Ort: stramm gelaufen sind das etwas 10 Minuten (haha, als ob ich nach über 30 Kilometer abends noch stramm laufen könnte, aber es sind auch unstramm nicht viel mehr als 15 Minuten bis in den Ort). Im Ort - beim Edeka - und im Restaurant Hotel Fuchs gibt es gratis WiFi. Ich nutze die Zeit und melde ich kurz zu Hause.

Johmshof.jpg
Abendstimmung beim Johmshof in Handeloh.

Beim Frühstück hats im Brotkorb auch gleich noch kleine Plastiktüten, wer will, darf sich gerne von seinem Frühstück die Reste als Brotzeit einpacken. Überaus grosszügig…bei dem Preis.

Ich verabschiede mich bei der Gastgeberin und wir quatschen uns noch fest. Irgendwann muss ich dann los und mache mich auf in die Wälder von Handeloh.

Bulli.jpg
Was man da im Wald so alles antrifft…ein schöner Bulli.

Irgendwo unterwegs treffe ich auf einen pensionierten Forstarbeiter, ja, dieses Mal habe ich ihn angesprochen. Ich wollte wissen, was es denn mit diesen vielen umgestürtzten Bäumen und den Forstschäden auf sich hat. Er meinte, dass im Frühjahr zwei Stürme durchgezogen seien. An einigen Orten sei auch schon wieder aufgeräumt, an anderen wurde aber noch gar nicht begonnen. Es gäbe viel zu wenig Leute und man könne sich nicht um alles kümmern. Ich frage noch, was es mit den regelmässigen Schneisen im Wald auf sich habe. Er meinte, das ist in Europa vorgeschrieben, da müsse alle 20 Meter eine Forstschneise oder ein Forstweg im Wald angelegt werden. Da dürfen dann nur die Forstabeiter mit ihren Maschinen durch. Ich frage ihn, ob das diese Höllenmaschinen wären und er bejaht, heutzutage wird  ja nur noch mit riesigen Treckern und Maschinen gearbeitet. Wenn erst mal einder der 60-Tönner durch den Wald gefahren ist, dann könne man da nicht mehr laufen. Ich meine, dass das Laufen ja das eine sei, aber da würde ja auf Jahrzehnte nichts mehr wachsen. Seine Stimmung kippt, er wird sauer und meint, ja, der neue Forstwirt ist eben von ausserhalb. Der wohnt 50 Kilometer entfernt, der kommt hier zur Arbeit, macht sein Ding und verschwindet wieder. Kein Bezug zum Wald, keine Verbundenheit. Er habe Darmkrebs und hätte nach der Operation zur Kur sollen. Er meinte, was soll er da, er wolle zurück in seinen Wald, da gehe es ihm gut. Aber eben, heute ist es nicht mehr das Gleiche und reden könnte man mit den jungen Leute von heute auch nicht mehr. Die machen alles nur noch mit der Maschine. Ich sehe ihm seine Enttäuschung an und denke, das ist das Leben. Irgendwann muss man loslassen, dann kommt ein anderer und der macht es eben so, wie er meint, dass es richtig ist.

Kurze Zeit später komme ich aus dem Wald heraus und treffe in Undeloh ein. Hier tanzt der Bär. Es ist einer der Orte, wo man mit dem Auto hin und dann mit der Pferdekutsche weiter in die Heide kann. Es gibt ausserdem einen Flohmarkt und viele Restaurants und Cafés. Ich gönne mir eine Rhabarberschorle und bin auch schon wieder unterwegs….in die Heide:

Heide.jpg
Ein Stück Heide, leider ist blüht die Erika noch nicht und das schöne Rot der Heide fehlt noch.

Heidewaldweg.jpg
Heidewaldweg, der E1 verläuft hier auf dem Heidschnuckenweg.

Witthft.jpg
Pension Witthöft in Wilsede.

Es gibt eine kleine Restauration in der Pension, allerdings nur für Hausgäste, denn die Kellnerin hat vor 2 Tagen die Stelle Knall auf Fall von einem Moment auf den anderen Verlassen und die Gastgeberin macht zur Zeit praktisch alles alleine. Sie ist eigentlich Kinderärztin und jetzt - ja, ihr dürft raten - auch schon über 70. Es sei noch nicht lange her, da haben sie 12 Angestellte gehabt und haben über Mittag rund 200 Essen rausgelassen. Das waren noch andere Zeiten, aber jetzt überlegt sie nur noch Übernachtung und Frühstück anzubieten. Es mache halt trotz allem noch Spass, der Kontakt mit den Leuten, aber eben, es sei auch nicht einfach wieder jemanden zu finden. Alle wollen sie ein Auto, ein Haus, zwei Mal im Jahr Urlaub, aber dafür arbeiten will dann niemand. Ich weiss es nicht, ich kenne nur ihre Sicht, aber ich wünsche ihr, dass sie bald Unterstützung findet und meine noch, dass es halt etwas anderes wäre, wenn jemand das ganze übernehmen würde. Ich erfahre, dass die Tochter, Ärztin, das eigentlich gerne machen würde, aber sie wolle dann aus dem ganzen einen richtig neuen, schicken Bau machen und die Gastgeberin ist dann eben doch noch nicht bereit loszulassen.

Rest_Heidemuseum.jpg
Restaurant Heidemuseum in Wilsede

Gegessen habe ich m Restaurant Heidemuseum. Es gibt als Spezialität eine Heidschnuckenpfanne, endlich gibt es etwas Abweschlung in der Speisekarte und nicht mehr nur die Maischolle, den Zander, den Pannfisch und was mich alles in den letzten Wochen begleitet hat.

Nun stehen noch zwei Etappen an und dann bin ich bereits in der Südheide & Hann. Bergland.

…und sie läuft und läuft und läuft…

Blenny - 12:42:53 @ E1, Wanderung, Übernachtung | Kommentar hinzufügen

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