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16.05.2018

Basthorst über Witzhave nach Bergedorf (347 km)

Es gibt ja so Tage…

einer davon war defintiv heute. Es hat mit einem guten Frühstück im Pferdestall sehr gut angefangen.

Pferdestall_Bosthorst.jpg
Der Weg aus Basthorst raus waren einfach zu gehen, ich konnte mich langsam warmlaufen, der Himmel war ein wenig Wolkenverhangen, was mir ja immer etwas entgegenkommt. Also ein Tag, wie für mich gemacht und dann kommen da andauernd diese Umleitungen….

Bei der ersten Umleitung hiess es noch, dass der Weg “vermoort” ist und man dreihunter Meter der Bille entlang, rechts über den Forstweg und dann wieder 300 Meter zurück soll. Damit das auch möglich ist, hat sich ein Forstmitarbeiter erbarmt und ist (vermutlich) mit seiner Höllenmaschine die 300 Meter durch den Wald gefahren und hat alles Platt gewalzt was in der Nähe war. Danke lieber Forstmitarbeiter, denn ohne diese Massnahme wäre ich vermutlich nicht durch den Wald gekommen, aber ich meine Hallo! Da wächst auf Jahre kein Baum mehr!

Kurz darauf kommt die nächste Umleitung, der Track ist aktuell - Gott sei Dank - den Stellenweise muss ich so weit vom Weg weg, dass ich mich nicht mehr auf die Kreuze verlassen konnte. Für mich war das heute der Höllenweg. Nicht wegen dem Weg selbst. Ich habe auch keine Ahnung, welcher Sturm wie viele Schäden angerichtet hat, aber das wahre Inferno hat der Mensch mit seinen bereits weiter oben erwähnten Höllenmaschinen veranstaltet. Ich bin mir nicht sicher, ob der Mensch dem Wald damit wirklich hilft.

E1_unterWasser.jpg

So als Grössenverhältnis: wenn ich in einer Spur drinnen Stand, konnte ich beide Füsse nebeneinander stellen und es hatte links und rechts davon noch reichlich Platz und die Spur ging mir locker bis zu Knie. Aber meistens konnte ich ja gar nicht in der Spur laufen oder stehen, denn wie ihr auf dem Bild sehen könnt, sind beide Seiten mit Wasser gefüllt und in der Mitte ist es moorig und matschig. Also ausgewichen in den Wald und dort weiter, egal was im Wege stand, Stöcke vors Gesicht und durchgewalzt. Es war enorm anstrengend und ich war froh, die Stöcke mit dabei zu haben. Zum einen konnte ich immer mal wieder den Boden prüfen und schauen, ob ich einsinke, konnte unter den Tannenästen prüfen, ob der Boden hält, konnte mich abstützen, wenn ich über liegende Bäume oder über matschige Stellen klettern und balancieren musste und konnte auch noch mein Gesicht schützen, wenn ich durch Büsche durch musste.

E1_Umleitung.jpg

Wohl verstanden, die Fotos siind nicht von den schlimmsten Stellen, an denen musste ich nämlich mordsmässig aufpassen und konnte keine Fotos mehr machen.

E1_linksgehtsweiter.jpg
Da links rein muss ich…

Muss man seinen Wald wirklich so behandeln?

Das ging über Kilometer so, eine Bank für eine Pause gab es sowieso nicht. Ich war einfach froh, als ich irgendwann mal wieder aus diesem Wald rausgefunden hatte. Am Ende jedes Waldes gibt es Licht: bei der Aumühle nur noch über die Brücke und da hats dann ein Restaurant, wo erst mal Pause gemacht und etwas getrunken wird. Ahhh…

Ich komme also endlich aus diesem Wald raus, sehe das Restaurant und es hat auch noch offen! Ich laufe den Weg runter zur Brücke und stehe vor einem Zaun: Betreten verboten!

Ich fass es nicht! Die Brücke war weg! Da war ein Loch, ich meine nicht nur ein Loch irgendwo in der Mitte, sondern die Brücke fehlte in der Mitte komplett. Wie soll ich denn jetzt da rüber kommen?f

Ich war so perplex, dass ich sogar vergessen habe ein Foto zu machen.

Zum Glück hab ich mein Navi mit dabei. Navi gezückt und die Wege geprüft. Erneut fasse ich es nicht. Ich muss dem Mühleteich rund einen Kilometer in die falsche Richtung folgen, bevor eine Brücke kommt. Dabei habe ich doch schon 18 Kilometer auf dem Zähler und bis zu meinem Zielort sind es von hier nochmals rund 10 Kilometer. Ich kann diesen Extraweg jetzt echt nicht gebrauchen.

Ich laufe also los und bin kurz davor schreiend die Stöcke in den Wald zu werfen oder damit auf einen Baum einzuschlagen (oder beides). Das Suchen, klettern, springen, balancieren hat meine Kräfte aufgebraucht, ich mag weder schreien noch schlagen sondern zähle einfach nur noch: links, rechts, links, rechts, links…..

1 Kilometer hin, über die Brücke und dann zurück. In Auwalde gibts einen Bahnhof und einen Bahnhofskiosk. Ich kaufe mir einen eisgekühlten Birnen-Mango Schorle und stürze den Liter noch im hinausgehen runter. Kurze Zeit später bringe ich die Flasche zurück, erhalte meine 25 Cents Pfand, die brauche ich auch, denn das Bahnticket ab Auwald bis Bergedorf kostet 3.30 Euro und ich habe ohne das Pfand gerade 3.20 Euro.

Ihr ahnt es, von Auwalde (Endstation des Zuges) habe ich die Bahn genommen und bin nach Bergedorf gefahren. Ich hätte sonst noch gut 3 Stunden laufen müssen und wäre irgendwann nach 18 Uhr erst am Zielort eingetroffen, dabei bin ich heute Morgen schon vor 9 Uhr los.

Etwas Gutes hatte die ganze Sache. Da die Korrektur meiner Brille in verschiedene Zonen aufgeteilt ist und die untere auf die Distanz von einem Bürostuhl zu einem Bildschirm eingestellt ist und der Boden und damit meine Füsse einfach weiter weg sind als ein Bildschirm, musste ich immer sehr konzentriert auf den Boden schauen. Deshalb habe ich heute jede Menge Blindschleichen und Frösche gesehen:

Blindschleiche.jpg
Schön, auch mal eine lebende Blindschleiche zu sehen. Bis jetzt hatte ich immer nur plattgefahrene auf den Strassen gesehen.

Blindschleichen sind übrigens überhaupt nicht Waldbodentauglich - so meine persönliche Meinung. Sie winden sich hin und her und schieben mehr das Laub auf die Seite als das sie sich vorwärts bewegen. Ich hatte beim Beobachten ein wenig den Eindruck, dass sie wissen, dass sie einmal Füsse hatten und diese vermissen.

Frosch.jpg

Frösche aller Art…ist gar nicht so einfach die zu fotografieren. Wenn ich mit Rucksack auf dem Rücken runter auf die Knie gehe, dann komm ich nicht mehr hoch und wenn ich mich nach vorne beuge, dann fall ich aufs Gesicht.

Wegen all der Umleitung habe ich gar nicht bemerkt, dass ich aus Schleswig-Holstein raus bin, ich bin jetzt offiziell im Raum Hamburg.

Morgen gehts mit der Bahn weiter, ich lass Hamburg rechts liegen und fahr direkt nach Blankenese. Ja, ich weiss, Hamburg ist toll, aber ich war schon zwei Mal dort und was soll ich denn in Hamburg machen. Wenn ich einen Pausentag einlege, dann heisst das möglichst wenig laufen (Pause eben) und shopping liegt auch nicht drin, ich kann ja nichts zusätzlich mitnehmen, jedes Gramm zählt. Ein ander Mal also gerne wieder…

Blenny - 14:39:48 @ E1, Wanderung, Philosophieren | Kommentar hinzufügen