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15.05.2018

Mölln - Güster - Basthorst (327 km)

Es gibt Leute, die können wunderbar eine Etappe beschreiben…über sanft geschwungene Hügel, durch lauschige Buchenwälder auf Naturwegen und so weiter. Diese Beschreibugen sind gut und wichtig, ich orientiere mich selbst auch daran. Ich habe aber herausgefunden, dass ich mich nicht für so eine Art “Tagebuch” eigne. Die Wege sind meist schön, teilweise auf befestigten Strassen, teilweise auf heftig befahrenen Strassen, mal ist es mit dem Wetter besser, mal brennt einem die Sonne auf den Kopf. Ich bin mehr fürs Geschichten erzählen.

Hier aber noch zwei Eindrücke des Tages…

Tannenwald.jpg
Nach den vielen Buchewäldern mal eine Abwechslung. Ein richtiger schöner Tannenwald.

Fachwerkkirche.jpg
Alte Fachwerkkirche in Fuhlenhagen.

Hier noch in Güster, das Haus Mietzner, wo ich die letze Nacht ein Fremdenzimmer hatte. Die Frau Mietzer macht das alles ganz alleine, seit ihr Mann nach einem Jahr Krankheit wo sie in gepfelgt hatte verstorben ist, hat sie nur noch das Haus. Die Leute sagen, sie soll es verkaufen, aber sie will nicht, wenn sie aus dem Haus weg muss, dann sowieso ins Pflegeheim und nicht in eine kleinere Wohung. 60 Jahre verheiratet waren sie, sie und ihr Mann. Jeden Tag zusammen, denn sie haben früher den Laden geführt. Darum will sie auch die Fremdenzimmer weiter vermieten. Wenn sie das nicht mehr hat, was dann und was soll man denn mit achtzig.

Ich habe also eingecheckt, mein Zimmer zugeteilt bekommen und bin dann erst mal in den Laden. Güster hat drei oder vier Restaurants, aber wie es sich gehört, haben ALLE am Montag natürlich geschlossen. Die Blaue Lagune lässt in der Bäckerei noch stolz anschreiben, dass sie ab sofort jeden Tag ab 12.00 Uhr bis 22.00 Uhr offen haben, ausser, ja natürlich, ausser montags. Warum haben eigentlich immer alle am gleichen Tag geschlossen. Aber nun zurück zu meiner Geschichte. Ich gehe also in den Laden, kaufe erst mal Literweise an Getränken ein, nach so einem sonnigen Tag habe ich immer den Eindruck ich sei kurz vor dem Verdursten und etwas zu Essen musste ich ja auch noch haben.

Mietzner.jpg

Mit meinen Einkäufen setze ich mich erst mal auf die Bank vor dem Laden und leere genüsslich den Rhabarberschorle, da kommen zwei Kinden aus dem Laden, ein Junge im Kindergarten alter und seine grössere Schwester, sie geht in die Primarschule.

Sie schlecken ein Eis und setzen sich neben mich auf die Bank:

Mädchen: Hallo. Wartest du auf jemanden?
Ich: nein, ich mach nur Pause
Mädchen: woher kommst du denn?
Ich: aus der Schweiz
Mädchen: gehst du heute noch nach Hause?
Ich: nein, das ist zu weit und ich bin zu Fuss unterwegs, das dauert also noch eine ganze Weile bis ich zu Hause bin
Mädchen: warum zu Fuss, warum nimmst du nicht ein Fahrrad?
Ich: weil ich keines habe
Junge: oder einen Porsche!
Ich: auch einen Porsche habe ich leider nicht
Mädchen: läufst du über die Autobahn?
Ich: nein, das ist doch verboten, deshalb heisst es auch Autobahn, da darf man nicht zu Fuss oder mit dem Rad drauf
Mädchen: wo läufst du dann?
Ich: auf Wald- und Feldwegen
Mädchen: dann musst du dich aber jeden Abend nach Zecken absuchen!
Ich: ja, da hast du recht, aber eigentlich habe ich viel mehr Mühe mit den Mücken. Ihr habt ganz schön viele Mücken hier
Mädchen: ja, natürlich, das ist ja auch Deutschland

Der Junge schaut mich während dem Gespräch meist schweigend an, isst sein Eis. Plötzlich springt er auf, zeigt auf mich, grinst bis hinter beide Ohren und sagt: ich weiss wie du heisst! Du heisst Siri!
Ich schaue ihn etwas perplex an und frage mich wie er auf die Idee kommt.
Mädchen: nein, sie ist nicht Siri, sie klingt nur wie Siri

Oha, ich klinge also wie Siri. Vielleicht sollte ich mal mit Apple sprechen…

Wir quasseln noch ein wenig weiter, dem Mädchen liegt noch eine wichtige Frage auf der Zunge: wie lange brauchst du denn noch, bis zu Hause bist?
Ich überlege und sage: hmmm, wenn eure Sommerferien beginnen, dann bin ich in etwas zu Hause

Sie springt auf: so lange? Das sind ja noch 2 Monate? Also ich könnte das nicht, jeden Tag und so lange laufen.

Sagt es, schnappt sich ihren Bruder, sagt Tschüss und geht nach Hause. Ich kann mir ein kleines grinsen nicht verkneifen. Nette, naseweise, kleine Dame…

Blenny - 14:37:16 @ E1, Wanderung, Philosophieren | Kommentar hinzufügen

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